Nachhaltigkeit

„Nachhaltigkeit muss eine Haltung in der Betriebsführung sein“

Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch bei uns eine wichtige Rolle. Und das seit vielen Generationen! Denn in unseren familiengeführten Betrieben ist Nachhaltigkeit in der Planung und der Unternehmensführung ein Stück unserer DNA, wird also quasi „vererbt“ und ganz selbstverständlich gelebt.

Jedoch nicht nur das nachhaltige Denken im eigenen Unternehmen ist uns wichtig. Uns liegt auch daran, unser schönes Sauerland für die Zukunft und die nächsten Generationen zu erhalten.

Tour CERT für nachhaltigen Tourismus

Das Sauerland wurde im April 2024 von Tour CERT zertifiziert und als „Nachhaltiges Reiseziel“ ausgezeichnet. Wir haben uns in diesem Zusammenhang mit Tour CERT im Bereich „Nachhaltiger Tourismus“ qualifiziert und arbeiten nun gemeinsam mit der Region in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Regelmäßig schauen wir uns unsere Maßnahmen an und hinterfragen interne Abläufe, den Einsatz der Ressourcen, die Arbeitsrahmenbedingungen und die Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Wir haben eine Nachhaltigkeitsbeauftragte ernannt, die uns begleitet und hilft, individuell bzw. für uns gemeinsam Verbesserungsmaßnahmen zu formulieren.

Die unabhängige Zertifizierungsorganisation Tour CERT berät und begleitet Tourismusunternehmen und Destinationen bei der Umsetzung einer nachhaltigen und erfolgreichen Wirtschaftsweise. Mehr Informationen gibt es hier beim Sauerland Tourismus.

Weitere Infos

In unserem „Leitbild“ haben wir unsere Haltung zum Thema Nachhaltigkeit sehr konkret zusammengefasst. Bei „Über uns“ erfahren Sie noch mehr über uns Gastgeber und die Hotelkooperation. Weiter unten auf dieser Seite finden Sie ein Interview mit der Kooperationsmanagerin und Nachhaltigkeitsbeauftragten, das einen Einblick in die Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedanken gibt.

Interview

Elke Stahlmecke ist als Kooperationsmanagerin und Nachhaltigkeitsbeauftragte zuständig für konzertierte Maßnahmen sowie die Bearbeitung gemeinsamer Themen wie Netzwerkaufbau, Ausbildung, Mitarbeiter-Recruiting und -Bindung, Weiterbildung und Gästemarketing. Zuvor war sie lange in einer Hotelkette tätig. Schwerpunkt war hier das Qualitätsmanagement und die Prozessoptimierung. Dem Thema Nachhaltigkeit ist ihr auch damals schon begegnet. Dieses Interview wurde im Rahmen einer Studienarbeit geführt.

Welche Erfahrung haben Sie bereits mit dem Thema Nachhaltigkeit im Bereich der Hotellerie gemacht?

Schon früher gab es eine Entwicklung, die man dem Thema Nachhaltigkeit zuschreiben konnte: Ich erinnere mich an die Einführung der Badezimmeraufkleber für den Handtuchwechsel, Duschgel- und Seifenspender anstatt aufwendig verpackter Seifen und Shampoos und die Eliminierung der kleinen Abfallbehälter auf den Frühstückstischen, weil auf einzelverpackte Lebensmittel zum Frühstück verzichtet wurde. Hauptmotivation für diese Prozessoptimierungen war jedoch eigentlich immer die Kostensenkung.

In meiner Wahrnehmung gibt es eine grundsätzliche Veränderung in der Haltung der Menschen zum Schutz von Umwelt und Natur.

Nach meinem Dafürhalten existiert außerdem auch eine Neubewertung des Nachhaltigkeitsprinzips in der Hotellerie. So wird bei Neubauten, Renovierungen und Einrichtungen deutlich mehr Wert auf Wiederverwendbarkeit und Regionalität gelegt. Selbst bei der Berufskleidung der Mitarbeitenden wird auf natürliche Materialien geachtet; ein Wäscheservice wird angeboten, da mit den großen Hotelwaschmaschinen weniger Energie verbraucht wird. Fahrgemeinschaften zum Betrieb werden unterstützt und die Verpflegung, auch die der Mitarbeitenden, besteht bevorzugt aus regionalen Produkten.

Die CO2-Diskussion und Bewegungen wie „Fridays for Future“ bringen das Thema Nachhaltigkeit immer weiter in den Fokus der Öffentlichkeit.

Wie definieren Sie selbst Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit bedeutet, bei allem was man tut, eher langfristig zu denken und Maßnahmen so auszurichten, dass sie schonend sind – für Menschen, Umwelt und Ressourcen. Den Gegensatz zum nachhaltigen Wirtschaften sehe ich in Geschäftsmodellen zum Zwecke des schnellen Erfolgs und in denen, die Verschwendung von Ressourcen bewusst in Kauf nehmen.

Warum sollte Nachhaltigkeit auch in der Hotellerie ein Thema sein?

So wie im privaten Wohnbereich inzwischen verstärkt auf Nachhaltigkeit geachtet wird, genauso sollte das auch in der Hotellerie geschehen. Insbesondere das Thema Energie ist ein wichtiger Aspekt: Automatische Steuerung von Heizungen, Umrüstung auf nachwachsende Rohstoffe, Energierückgewinnungsanlagen wie auch besondere Technik in Schwimmbädern tragen kontinuierlich zur Senkung des CO2-Wertes bei.

Wird das Thema Nachhaltigkeit nicht eher für Publicity-Zwecke und Kosteneinsparung genutzt?

Nachhaltigkeit muss eine Haltung in der Betriebsführung sein. Erfolg stellt sich nur ein, wenn das Thema ganzheitlich betrachtet und bearbeitet wird. Erst wenn das der Fall ist, kann es auch in der Außendarstellung eingesetzt werden. Bei scharfer Formulierung der Ziele und konsequenter Umsetzung der Maßnahmen können dann auch Kosten eingespart werden.

Wie können Gäste selbst ihren ökologischen Fußabdruck minimieren?

Hier fällt mir die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein. Aktuell diskutieren wir intern über Mülltrennung auf dem Zimmern. Außerdem überlegen wir, den Gästen die Entscheidung zu überlassen, ob ihr Zimmer jeden Tag gereinigt werden soll oder nicht. Für das große Thema Wäschereinigung, insbesondere bei Stoffservietten und den Bademänteln, gilt es noch, kreative Lösungen zu finden.

Gibt es bereits ein Konzept zur Umsetzung? Welche Aspekte spielen eine besondere Rolle?

Im Schmallenberger Sauerland erhalten alle Gäste eine Gästekarte, die kostenfreie Fahrten mit ÖPNV ermöglicht. Natürlich können sie auch auf Transferdienste der Hotels zurückgreifen oder sportlich mit E-Bikes die Landschaft erkunden. Wichtig ist, dass es den Hotelgast nur wenig Mühe kostet, sich nachhaltig zu bewegen. Wenn die Umsetzung mit Aufwand oder reduziertem Komfort einhergeht, wird ein entsprechendes Konzept, das zur Nachhaltigkeit beiträgt, weniger angenommen. Grund und Ziel des Aufenthaltes ist und bleibt: ein erholsamer Urlaub.

Wo sehen Sie mögliche Schwierigkeiten?

Gäste sollen sich in erster Linie entspannen können. Zu viele Regeln und Einschränkungen wirken sich negativ auf das Wohlbefinden aus. Wir müssen versuchen, Prozesse und Abläufe so geschickt zu steuern, dass keine Einschränkung oder gar ein Mangel wahrgenommen wird. Wir stellen Badetücher für den Wellnessbereich gepackt in Taschen im Zimmer zur Verfügung und geben im Wellnessbereich weitere nur auf Anfrage heraus. Regale mit Handtüchern, die ständig neu gefüllt werden, verlocken dazu, sich nach kurzem Gebrauch ein frisches zu nehmen. Allerdings meine ich eine Verhaltensänderung, insbesondere bei jüngeren Gästen, festzustellen. Ihnen ist der Gedanke der Nachhaltigkeit und der Schutz der Umwelt bereits deutlich präsenter.

Halten Sie es für wichtig, sich mit Nachhaltigkeitssiegeln auszuzeichnen?

Ein Siegel ist als internes Hilfsmittel erstrebenswert, damit die hierfür nötigen Kriterien vom gesamten Hotelteam mit voller Überzeugung und kontinuierlich nach innen und außen umgesetzt werden. So wird die Haltung zu diesem Thema authentisch und für den Gast spürbar. Ein Siegel nur zu Marketingzwecken anzustreben und die Maßnahmen nicht konsequent umzusetzen, macht wenig Sinn. Die Gäste werden das vor Ort schnell merken und gegebenenfalls negativ kommentieren.

Ein klassisches Beispiel: Im Bad wird der Gast durch einen Aufkleber informiert, dass Handtücher ausgetauscht werden, wenn sie auf dem Boden liegen.

Der Gast hängt Handtücher an den Handtuchhalter, weil er sie noch einmal nutzen möchte. Trotzdem werden sie häufig vom Housekeeping täglich ausgetauscht.

Ein Siegel kann bei der Buchungsentscheidung tatsächlich das Zünglein an der Waage sein. Im Zweifel wird sich der Gast für das zertifizierte Hotel entscheiden.

Wie bei den Bio-Siegeln gibt es jedoch leider auch für Nachhaltigkeit sehr viele verschiedene Siegel, bei denen die Kriterien, die diesen Zertifizierungen zugrunde liegen, sehr unterschiedlich und somit unübersichtlich sind. Aus diesem Grund haben wir für uns beschlossen, zunächst keine Zertifizierung anzustreben.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei der Mitarbeitergewinnung?

Bei der Mitarbeitergewinnung, gerade in einer ländlichen Region, ist es wichtig, sich als zuverlässigen und fairen Arbeitgeber zu etablieren. Ein Aufnahmekriterium, um Mitglied in unserer Kooperation zu sein, verlangt, dass eine Unternehmerfamilie das Hotel besitzt und leitet. Dadurch haben die Mitarbeitenden einen festen Ansprechpartner und können langfristig planen. Dienstumstellungen mit Verzicht auf Teildienste sowie feste, planbare Schlusszeiten, weit im Voraus ausgearbeitete Dienstpläne und Arbeitsplatzsicherheit gehören für mich auch zum Thema Nachhaltigkeit dazu.

Glauben Sie, Hotels können in puncto Nachhaltigkeit Vorbilder für ihre Gäste sein?

So wichtig das Thema ist, Gäste sollen sich in erster Linie in den Betrieben entspannen und eine gute Zeit erleben. Es ist nicht unser Ziel und auch nicht erstrebenswert, als Gastgeber mit „erhobenem Zeigefinger“ das Thema Nachhaltigkeit in den Urlaub einzubringen.

An welchen Stellen wird schon jetzt innerhalb der Kooperation auf Nachhaltigkeit geachtet, was wurde bereits umgesetzt?

Insbesondere in dem Bereich Energiemanagement haben die Betriebe einiges getan. So gibt es zum Beispiel Wärmerückgewinnungsanlagen und Blockkraftheizwerke sowie bei der Beleuchtung eine Umstellung auf LED-Technik, Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhren. Für die Bewässerung der Grünanlagen wird Regenwasser aufgefangen. Soweit möglich, werden Produkte direkt in der Region eingekauft – das gilt für Lebensmittel, aber auch für Dienstleistungen und sonstige Produkte. Im Housekeeping wurde auf

umweltschonende Reinigungsmittel umgestellt und vielerorts der Verbrauch durch Dosierspender reduziert.

Und wie bereits erwähnt, wird dem Gast neben dem täglichen Handtuchwechseln auch immer häufiger die tägliche Zimmerreinigung freigestellt.

In Bezug auf Unternehmensführung haben die Familienbetriebe der Sterne im Sauerland das Thema Nachhaltigkeit im wahrsten Sinne schon mit der Muttermilch aufgenommen. Eine langfristige Ausrichtung des Betriebes und die Übergabe an die nächste Generation sind traditionell die Triebfedern der Eigentümerfamilien. Für die Mitarbeitenden bedeutet das eine große Planungssicherheit für ihre Arbeitsstelle.